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Special Eurobarometer 272a: Electromagnetic Fields

Im Auftrag der Europäischen Kommission führte TNS Opinion & Social Network im Oktober/November 2006 eine persönliche Befragung (face-to-face) in den 25 Ländern der EU (EU25) zum Thema „Elektromagnetische Felder“ (EMF) durch. Der vollständige Bericht ist in englischer Sprache im Internet unter http://ec.europa.eu/public_opinion/archives/ebs/ebs_272a_en.pdf veröffentlicht. Außer in Luxemburg und Malta (hier wurden nur je 500 Personen befragt) wurden je Land ca. 1000 Personen interviewt und somit waren es in der Summe 28584 Personen. In Zypern wurde (in beiden Teilen getrennt) je 500 Personen befragt.

Ziel der Studie war es herauszufinden, ob sich die Bürger der EU von den potentiellen Risiken der EMF gesundheitlich beeinträchtigt fühlen und ob sie sich durch die Behörden davor geschützt fühlen. Zudem wurde untersucht, auf welche Art und Weise die Bevölkerung über die Gefahren unterrichtet werden will und wie es um die Qualität und Quantität der Information aus Sicht der Befragten über EMF bestellt ist.

Inhalt der Studie

Im 1. Teil der Befragung wurden die Kenntnis über EMF-Quellen und ihr Bezug zur jeweiligen Gesundheit der Befragten ermittelt. Es wurde zudem mit dem Ergebnis des Eurobarometers aus 2002 (15 Länder, EU15) verglichen.

Im 2. Teil wird auf die Besorgtheit und die Informiertheit bzgl. EMF eingegangen: es wurde das Wissen über mögliche EMF-Quellen und die persönliche Besorgtheit erfragt.

Im 3. Teil wird die Rolle der Behörden aus der Sicht der Befragten untersucht.

Ergebnisse der Studie

Die durch EMF verursachten Risiken werden nicht so hoch wie z. B. die durch Chemikalien und die Lebensmittelqualität verursachten Risiken eingestuft. Weniger als 40 % der EU25-Befragten fühlen sich gesundheitlich stark durch EMF beeinträchtigt im Vergleich zu mehr als 60 %, die sich bzgl. der Chemikalien stark gesundheitlich beeinträchtigt fühlen. Bei den EMF-Risiken werden die Hochspannungsleitungen am häufigsten genannt, gefolgt von Mobilfunk-Sendeanlagen und Handys. Die Wahrnehmung der Gesundheitsbeeinflussung hat gegenüber 2002 erheblich in Richtung EMF zugenommen, während sie in Bezug auf Chemikalien und Lebensmittelqualität gleich blieb.

Europaweit herrscht in der Bevölkerung ein unterschiedlicher Kenntnisstand bzgl. EMF vor. Die größten Unterschiede werden zwischen „alten“ und „neuen“ Staaten beobachtet: während z. B. 68 % der Befragten der EU15 wussten, dass Mobilfunk-Sendeanlagen EMF verursachen, war dieses Wissen nur bei 58 % der Befragten aus den „neuen“ Mitgliedsstaaten vorhanden. Nur 1/4 aller Befragten wusste, dass bei allen der 10 abgefragten Elektrotechnologien EMF entstehen.

Die Hälfte aller Befragten der EU25 ist stark oder ziemlich besorgt bzgl. potenzieller Gesundheitsrisiken durch EMF. Die Bandbreite reicht von 25 % (skandinavische Länder) bis mehr als 80 % in Griechenland und Zypern. In Deutschland sind 35 % der Befragten besorgt.

Die große Mehrheit der Befragten der EU25 (80 %) fühlt sich nicht oder nur schlecht über die bestehenden Grenzwerte informiert. In Deutschland sind es 83 %. 1/3 der EU25-Befragten fühlen sich diesbezüglich überhaupt nicht informiert. Dieses Ergebnis geht mit den 2/3 der EU25-Befragten einher, die bzgl. der Information über die potenziellen Risiken durch EMF nicht zufrieden sind. Diese Informationen werden vorwiegend als entweder mangelhaft oder nicht objektiv empfunden. Das bevorzugte Informationsmedium der Befragten ist das Fernsehen, gefolgt von Zeitungen und Zeitschriften und dann erst der Rundfunk.

Eine generelle Unzufriedenheit herrscht bei 60 % EU25-Befragten bzgl. der Behörden, die die Bürger vor den potenziellen Risiken durch EMF schützen sollen. Nur jeder vierte EU25-Bürger ist mit der Arbeit der Behörden zufrieden. Mehr als 2/3 der besorgten EU25-Befragten findet, dass diese Arbeit der Behörden nicht effektiv ist (die Hälfte der nicht-besorgten EU25-Befragten sind auch dieser Meinung). Knapp die Hälfte der zufrieden-stellend Informierten sind mit der Effektivität der Behörden zufrieden. Die Hälfte der mit den Schutzmaßnahmen der Behörden Zufriedenen sind auch mit ihrer Effektivität zufrieden.

Mehr als die Hälfte der befragten Europäer findet, dass die Behörden ihren Schutz vor den potentiellen Risiken durch EMF auf Länderebene (national, regional oder lokal) ausüben sollten, während 36 % für eine länderübergreifende Lösung (europaweit oder weltweit) sind. In Deutschland sprechen sich nur 44 % der Befragten für eine Lösung auf Länderebene aus.

Vergleich mit Studien, die vom Deutschen Mobilfunk Forschungsprogramm (DMF) durchgeführt wurden

Vom DMF wurden 2 Studien durchgeführt, die sich mit einer ähnlichen Thematik befassen:

„Ermittlung der Befürchtungen und Ängste der breiten Öffentlichkeit hinsichtlich möglicher Gefahren der hochfrequenten elektromagnetischen Felder des Mobilfunks - jährliche Umfragen“ und das Forschungsprojekt „Zielgruppenanalyse zur differenzierten Information“.

Laut der jährlichen Umfragen hat sich der Anteil der Befragten, die sich hinsichtlich der hochfrequenten elektromagnetischen Felder als besorgt bezeichnen, zwischen den Jahren 2003 und 2006 stabil bei weniger als 30 % gehalten (Ja-/Nein - Abfrage im Gegensatz zur differenzierten Abfrage im Eurobarometer). Auch bei dieser Studie hat sich gezeigt, dass andere Umweltnoxen wie z. B. die Luftverschmutzung eine wesentlich größere Besorgnis in der Bevölkerung hervorrufen. Mobilfunk-Sendeanlagen werden bedrohlicher als Handys angesehen.

Die Informiertheit der Befragten war ähnlich wie im Eurobarometer. Wurden sie darauf hingewiesen, dass alle Elektrotechnologien EMF verursachen, wurden z. B. Mobilfunk-Sendeanlagen mit Fernseh-Sendemasten gleichgesetzt und der PC-Bildschirm auch als stark strahlend eingestuft.

Ca. 85 % der Befragten haben schon einmal von dem Thema Mobilfunk und Gesundheit etwas gehört. Mit diesem Thema haben sich im Schnitt 35 % der Befragten gut bis sehr gut auseinandergesetzt. Dieser Wert schwankt etwas, der Trend geht zu einer geringeren Auseinandersetzung mit dem Thema. Ca. 80 % der Befragten fühlen sich zum Zeitpunkt der Befragung so gut wie nicht über EMF informiert und dieser Prozentsatz hat sich über die Jahre hin kaum verändert.

Am häufigsten werden Informationen über elektromagnetische Felder aus den Massenmedien Fernsehen und Radio sowie Zeitungen und Zeitschriften entnommen. Auch Gespräche im Freundes- und Bekanntenkreis stellen hier eine wichtige Informationsquelle dar. In der Studie der Zielgruppenanalyse konnte festgestellt werden, dass die Informationen je nach Zielgruppe unterschiedlich gesucht werden, und man mit einem singulären Angebot keineswegs die ganze Bevölkerung erreicht.

Bewertung des BfS

Das Eurobarometer bestätigt die durch im DMF ermittelten Ergebnisse:

EMF und somit auch Mobilfunk sind nicht das Thema, das den befragten Bürgern am meisten Anlass zur Besorgnis gibt. Die Mehrheit der Befragten fühlt sich allerdings nicht bis schlecht informiert. Der nach diesen Studien geeignetste Informationsweg wäre das Fernsehen oder auch das Radio. Die Kompetenz und der Bekanntheitsgrad der zuständigen Behörden könnte auf diesen Wegen transparenter gemacht werden.

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