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Gesundheitseffekte durch Mobilfunk bei Kindern
 
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Akute Gesundheitseffekte durch Mobilfunk bei Kindern

Thema

Akute Gesundheitseffekte durch Mobilfunk bei Kindern

Beginn

01.1.2006

Ende

30.06.2008

Projektleitung

Ludwig-Maximilians-Universität München, Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial und Umweltmedizin

Zielsetzung

Die starke Zunahme von Mobilfunk in den letzten Jahren führte zu einer vermehrten Besorgnis der Bevölkerung über mögliche akute gesundheitliche Effekte durch die Felder von Mobilfunk. Dies betrifft sowohl die häufige Nutzung von Mobiltelefonen als auch insbesondere das Wohnen in der Nähe von Mobilfunk-Basisstationen. In diesem Zusammenhang werden häufig Befindlichkeitsstörungen wie Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Nervosität und Konzentrationsschwierigkeiten genannt. Der wissenschaftliche Erkenntnisstand bietet bisher keine Erklärung für derartige Zusammenhänge. Insbesondere wurde noch nicht untersucht, ob Kinder und Jugendliche gegenüber Mobilfunkfeldern eventuell besonders empfindlich sind. Ziel dieses Vorhabens war es, im Rahmen einer bevölkerungsbezogenen Querschnittsstudie den Zusammenhang der subjektiven Befindlichkeit mit der individuell gemessenen und selbst eingeschätzten Exposition von Mobilfunkfeldern bei Kindern und Jugendlichen zu untersuchen. Die Studie sollte 1.500 Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren und 1.500 Jugendliche im Alter von 13 bis 17 Jahren umfassen und die Exposition gegenüber Mobilfunk über Personendosimeter gemessen werden.

Ergebnisse

Es wurde eine Querschnittsstudie an einer repräsentativen Stichprobe von 1.498 Kindern (8-12 Jahre) und 1.524 Jugendlichen (13-17 Jahre) aus vier bayerischen Städten (München, Augsburg, Rosenheim, Landsberg) durchgeführt. Folgende Informationen wurden über persönliche computergestützte Interviews bei 8- bis 12–jährigen Kindern und einem Elternteil oder Jugendlichen erfasst:

Chronische Beschwerden

Standardisierter Fragebogen über Häufigkeit von gesundheitlichen Beschwerden in den letzten 6 Monaten (Kopfschmerzen, Gereiztheit, Nervosität, Schwindel, Müdigkeit, Angst, Einschlafprobleme)

Akute Beschwerden

Symptomtagebuch am Morgen, Mittag und Abend des Untersuchungstags (Kopfschmerzen, Gereiztheit, Nervosität, Schwindel, Müdigkeit, Konzentrationsprobleme)

Potentielle Störgrößen (Confounder)

Lebensqualität, Medienkonsum, Umweltbesorgnis, Soziodemographie, Soziale Unterstützung, Psychische Gesundheit, Schulische Probleme

Subjektive Mobilfunkexposition

Angabe zu Mobiltelefon und DECT-Nutzung am Untersuchungstag und Selbsteinschätzung der Entfernung zu Mobilfunkbasisstationen

Objektive Mobilfunkexposition

Individuelle Messung der Mobilfunkexposition über 24 Stunden mit Hilfe von Personendosimetern. Ermittlung der Gesamtexposition von Mobilfunk (GSM 900 up and down link, GSM 1800 up and down link, UMTS up and down link, schnurlose Telefone (DECT) und WLAN). Für Sensitivitätsanalysen wurde zusätzlich die Exposition für einzelne Frequenzbereiche (GSM 900, GSM 1800 (inklusive UMTS, DECT) und WLAN) ermittelt.

Die objektive Gesamtexposition wurde als mittlerer prozentualer Anteil der Gesamtexposition am Grenzwert während der Wachphase berechnet und in Quartile eingeteilt. Die jeweiligen chronischen und akuten Beschwerden wurden dichotomisiert. Mit Hilfe eines logistischen Regressionsmodells wurden folgende Hauptfragestellungen untersucht:

  1. Zusammenhang zwischen objektiver Gesamtexposition und chronischen Beschwerden
  2. Zusammenhang zwischen objektiver Gesamtexposition vormittags/nachmittags und akuten Beschwerden am Mittag/Abend.
  3. Zusammenhang zwischen subjektiver Exposition (selbst eingeschätzte Entfernung zur Basisstation) und chronischen Beschwerden
  4. Zusammenhang zwischen subjektiver Exposition (selbst berichtete Telefonate mit Mobiltelefon oder DECT) vormittags/nachmittags und akuten Beschwerden am Mittag/Abend.

In dem logistischen Regressionsmodell wurde für die Variablen Alter, Geschlecht, Schulbildung, Umweltbesorgnis und Studienort adjustiert. Bei Analysen zur objektiven Exposition wurde zusätzlich für Häufigkeit der Mobiltelefonate, DECT-Telefonate bzw. Entfernung zur Basisstation adjustiert. Weitere potentielle Störgrößen wie z. B. Medienkonsum, schulische Probleme, Lebensqualität, soziale Unterstützung zeigten keinen Hinweis auf ein Confounding und wurden deshalb nicht in die Risikomodelle aufgenommen.

Die Teilnahmerate an der Studie betrug 52 %. Dabei zeigte sich eine Tendenz, dass vor allem Eltern und Jugendliche mit höherer Schulbildung an der Studie teilnahmen sowie solche die sich besorgter gegenüber elektromagnetischen Feldern zeigten und etwas häufiger ein Mobiltelefon besaßen.

Die Hälfte der Kinder und 90 % der Jugendlichen besitzen ein eigenes Mobiltelefon. Dieses wird von Jugendlichen im Vergleich zu Kindern häufiger und länger genutzt. Ungefähr 85 % der Kinder und Jugendlichen besitzen ein schnurloses Telefon (DECT-Telefon) im Haushalt. Auch hier gilt, dass Jugendliche deutlich länger und häufiger mit dem DECT-Telefon telefonieren. Die mittlere Gesamtmobilfunkexposition der Kinder und Jugendlichen liegt weit unter den in Deutschland gültigen Grenzwerten, im Mittel bei 0,18 % des Grenzwerts bei Kindern und 0,19 % des Grenzwerts bei Jugendlichen.

  • zu 1) Es gibt keinen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen chronischen Beschwerden (Kopfschmerzen, Gereiztheit, Nervosität, Schwindel, Müdigkeit, Angst, Einschlafprobleme) und der objektiven gemessenen Gesamtmobilfunkexposition sowohl bei Kindern als auch Jugendlichen.
  • zu 2) Es gibt keinen statistisch signifikanten konsistenten Zusammenhang zwischen akuten Beschwerden am Mittag/Abend (Kopfschmerzen, Gereiztheit, Nervosität, Schwindel, Müdigkeit, Konzentrationsprobleme) und der objektiven gemessenen Gesamtmobilfunkexposition vormittags/nachmittags sowohl bei Kindern als auch Jugendlichen.
  • zu 3) Vereinzelt wurde ein erhöhtes Risiko für chronische Beschwerden in Abhängigkeit von der selbst eingeschätzten Entfernung zur nächsten Basisstation bei Jugendlichen beobachtet. Bei Kindern war kein solcher Zusammenhang zu finden.
  • zu 4) In Einzelfällen wurde ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen akuten Beschwerden am Mittag/Abend und selbst berichteter Nutzung von Telefonen (DECT- oder Mobiltelefon) gefunden.

Detaillierte Ergebnisse können dem Abschlussbericht entnommen werden. Dieser liegt zum Download als PDF-Datei (3.906 KB) vor.

Fazit

Die Ergebnisse der Studie geben keine Hinweise auf einen Einfluss der gemessenen Gesamtmobilfunkexposition auf gesundheitliche Beschwerden bei Kindern oder Jugendlichen. Dies gilt sowohl für selbst berichtete Beschwerden der letzten 6 Monate (Kopfschmerzen, Gereiztheit, Nervosität, Schwindel, Müdigkeit, Angst, Einschlafprobleme) als auch für akute Beschwerden am Mittag oder Abend (Kopfschmerzen, Gereiztheit, Nervosität, Schwindel, Müdigkeit, Angst, Einschlafprobleme). Vereinzelt wurde eine Assoziation zwischen subjektiver Mobilfunkbelastung und gesundheitlichen Beschwerden gefunden. Dies unterstreicht, die Wichtigkeit der Bestimmung der objektiven, tatsächlichen Exposition durch Messung. Dies ist die erste Studie, in der die Mobilfunkexposition von Kindern und Jugendlichen gemessen wurde. Insgesamt ist diese sehr niedrig und liegt weit unter den bestehenden Grenzwerten.

Publikationen

  • Thomas S, Kühnlein A, Heinrich S, Praml G, von Kries R, Radon K. Exposure to mobile telecommunication networks assessed using personal dosimetry and well-being in children and adolescents: the German MobilEe-study. BioMed Central 2008, doi:10.1186/1476-069X-7-54 (open access article: http://www.ehjournal.net/content/7/1/54)
  • Kühnlein A, Heumann C, Thomas S, Heinrich S, Radon K. Personal exposure to mobile communication networks and well-being in children – a statistical analysis based on functional approach. Bioelectromagnetics (accepted)
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