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Querschnittsstudie zur Erfassung und Bewertung möglicher gesundheitlicher Beeinträchtigungen durch die Felder von Mobilfunkbasisstationen

Thema

Querschnittsstudie zur Erfassung und Bewertung möglicher gesundheitlicher Beeinträchtigungen durch die Felder von Mobilfunkbasisstationen

Beginn

01.07.2003

Ende

30.06.2006

Projektleitung

Uni Bielefeld / Uni Mainz / DKFZ Heidelberg / TNS Healthcare München

Zielsetzung

Die starke Zunahme von Mobilfunk in den letzten Jahren führte zu einer vermehrten Besorgnis der Bevölkerung über mögliche akute gesundheitliche Effekte durch die Felder von Mobilfunkbasisstationen. In diesem Zusammenhang werden häufig Befindlichkeitsstörungen wie Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Nervosität, Konzentrationsschwierigkeiten und anderes genannt. Der wissenschaftliche Erkenntnisstand bietet bisher keine Erklärung für derartige Zusammenhänge. Ziel des Vorhabens ist die Überprüfung der Hypothese, dass die Felder von Mobilfunkbasisstationen zu gesundheitlichen Beschwerden bei den Anwohnern führen können. Das Projekt gliedert sich in drei Teile:

  • Teil I: Pilotstudie: Prüfung der Machbarkeit einer Querschnittsstudie.
  • Teil II: Basiserhebung: Bevölkerungsweite Befragung von ca. 30.000 Personen zu gesundheitlichen Beschwerden und subjektivem Expositionserleben und indirekte Abschätzung der Felder von Mobilfunkbasisstationen. Ziel: Deskription der erhobenen Daten.
  • Teil III: Vertiefungserhebung: Durchführung vertiefter Erhebungen zu Gesundheitsbeschwerden, potentiellen Störgrößen sowie Messungen der HF-Felder über Personendosimeter in ausgewählten Untergruppen. Ziel: Durchführung von Risikoanalysen.

Die Expositionsabschätzung in Teil II erfolgte in enger Kooperation mit dem Vorhaben "Bestimmung der Exposition von Personengruppen, die im Rahmen des Projektes "Querschnittsstudie zur Erfassung und Bewertung möglicher gesundheitlicher Beeinträchtigungen durch die Felder von Mobilfunkbasisstationen" untersucht werden". Der Einsatz von Personendosimetern in der Vertiefungserhebung erfolgte über das Vorhaben "Ergänzungsstudie zu Probanden der Querschnittsstudie".

Ergebnisse

In der Pilotphase (Teil I) wurde die praktische Durchführbarkeit der Studie und die Machbarkeit einer Geokodierung von Haushalten und Basisstationen gezeigt. Darauf aufbauend wurde ein Studiendesign für die Hauptstudie entwickelt.

Im Rahmen der Basiserhebung (Teil II) fand eine bevölkerungsweite Befragung zu Beschwerden, Besorgnis und Beeinträchtigung durch Basisstationen statt. Gefragt wurde auch nach der Nähe zu Basisstationen. Hierzu wurden im Rahmen einer Befragung von Haushalten des so genannten „Health Care Access Panels“ 51.444 Personen im Alter zwischen 14 und 69 Jahren zwischen August und November 2004 angeschrieben. 30.047 Personen beteiligten sich an der Befragung. Die daraus resultierende Stichprobe ergibt für die Altersklassen, das Geschlecht und die Bundesländer eine gute Annäherung an die Zusammensetzung der in deutschen Privathaushalten lebenden Bevölkerung. 28 % der Befragten gaben an sich Sorgen wegen der Felder von Basisstationen zu machen, 11 % fühlen sich durch die Felder gesundheitlich beeinträchtigt. Dabei zeigt sich ein starkes Nord-Süd-Gefälle, mit den stärksten Bedenken in Bayern und den geringsten in Mecklenburg-Vorpommern. Vor allem Personen im Alter zwischen 30 und 50 Jahren, Personen mit höherer Schulausbildung (Fach-/Hochschulreife) und Personen, die angaben in der Nähe einer Mobilfunkbasisstation zu wohnen, äußerten häufiger Bedenken. Die Ergebnisse dieser bundesweiten Befragung passen gut zu den Ergebnissen von Befragungen zur Risikowahrnehmung im Rahmen des Deutschen Mobilfunk Forschungsprogramms (DMF).

Die Bundesnetzagentur stellte für die Studie – mit Einverständnis der Netzbetreiber - die Standortdaten aller genehmigungspflichtigen Mobilfunkbasisstationen zur Verfügung. Diese Datenbank enthielt mit Stand Mitte 2004 51.000 Standortangaben mit rund 280.000 Antennen. Darauf aufbauend wurde die Distanz zwischen Wohnung und Standort der Basisstationen auf Basis der jeweiligen Geokoordinaten berechnet und eine grobe Expositionsabschätzung unter Berücksichtigung von relevanten Variablen zur Wohnsituation und -umgebung sowie der Antennencharakteristika durchgeführt. Es zeigte sich, dass im Jahr 2004 47 % der Privathaushalte in Deutschland keine Basisstation im Umkreis von 500 m haben. Der Abstand 500 m wurde gewählt, da bei einem Abstand von mehr als 500 m davon ausgegangen wird, dass nur eine verschwindend geringe Exposition vorliegt. Allerdings sind Personen, die im Umkreis von 500 m und weniger einer Mobilfunkbasisstation wohnen, nicht unbedingt stärker exponiert, da der Abstand (< 500 m) kein geeignetes Expositionsmaß ist. Die 53 % der Privathaushalte, die im 500 m Umkreis einer Basisstationen lagen, wiesen nach dem Expositionssurrogat von ECOLOG eine mediane Leistungsflussdichte von 0,006 mW/m2 auf und liegen damit weit unter dem Grenzwert.

Für die Vertiefungserhebung (Teil III) wurde aus den Teilnehmern der Basiserhebung unter Eingrenzung auf wenige Regionen eine stratifizierte Stichprobe von 4.150 Personen gezogen. Von diesen füllten 3.256 (85 % Teilnahmerate) den zugehörigen Fragebogen der Vertiefungserhebung aus. Als Ergebnis der geplanten Selektion von potentiell höher exponierten Personen entstammte die Mehrheit der Teilnehmer eher städtischen und vorstädtischen Wohnumgebungen, während nur 13,5 % der Teilnehmer ländlich wohnten. Der Fragebogen der Vertiefungserhebung umfasste mehrere validierte Instrumente zur Messung selbst berichteter gesundheitlicher Beschwerden: den Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI) zur Messung von Schlafstörungen, den Headache Impact Test (HIT) zur Erfassung der Auswirkungen von Kopfschmerzen auf das alltägliche Leben, die Beschwerdenliste (BL) von v. Zerssen sowie den SF-36 zur Messung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität. Ferner enthielt der Fragebogen die schon in der Basiserhebung eingesetzten Fragen zur Messung von Bedenken wegen Mobilfunkbasisstationen sowie weitere Skalen zur Messung von chronischem Stress (erfasst über Trierer Inventar für Chronischen Stress (TICS)), Ängstlichkeit und Depressivität (erfasst über Hospital Anxiety and Depression Scale (HADS)).

Die ursprünglich geplante Verwendung des Expositionssurrogats von ECOLOG für die Risikoanalysen wurde vorerst zurückgestellt, da ohne externe Validierung die Ungenauigkeiten der Expositionsabschätzung nicht abschließend beurteilt werden konnten. Da inzwischen im Feld erprobte Personendosimeter für die Expositionsabschätzung zur Verfügung standen, wurden diese bei den Probanden eingesetzt, die sich mit einer Messung einverstanden erklärten (n = 1.808). Dies geschah über ein zusätzliches DMF-Projekt „Ergänzungsstudie zu Probanden der Querschnittsstudie“. Bei 1.500 Probanden wurden erfolgreich Messungen mit einem Dosimeter der Firma Antenessa im Schlafzimmer durchgeführt. Nach Ausschluss von Probanden mit fehlenden Werten in interessierenden Variablen verblieben als endgültiger Datensatz für die Risikoanalysen 1.326 Probanden.

Als Expositionsvariable wurde die gemessene Gesamtfeldstärke der hochfrequenten elektromagnetischen Felder der Basisstationen berechnet. Diese wurde für die Risikoanalysen dichotomisiert durch das 90 % Perzentil (0,0993 V/m). Folgende fünf Zielgrößen wurden definiert: Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Beschwerden allgemein, gesundheitliche Lebensqualität körperlich und psychisch. Als potentielle Störgrößen wurden im Regressionsmodell Alter, Geschlecht, Wohnumgebung, Handynutzung, chronischer Stress, Ängstlichkeit und Depressivität berücksichtigt. Folgende Ergebnisse wurden erzielt:

  • Es wurde kein Zusammenhang zwischen den gemessenen Feldern von Basisstationen und den fünf untersuchten Zielvariablen (Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Beschwerden allgemein, gesundheitliche Lebensqualität körperlich und psychisch) gefunden.
  • Die Attribution (das Zurückführen) von gesundheitlichen Beschwerden auf Mobilsendeanlagen ist statistisch signifikant mit Schlafstörungen und Beschwerden allgemein assoziiert, nicht aber mit anderen Zielvariablen.

Der Abschlußbericht steht zum Download als PDF-Datei (1.500 KB) zur Verfügung

Fazit

Die Basiserhebung lieferte erstmals bevölkerungsweite Aussagen darüber, wie sich die Standorte der Basisstationen über Deutschland verteilen und wie viele Privathaushalte eine Basisstation im näheren Umkreis zur Wohnung haben sowie zur Prävalenz von Beschwerden, Prävalenz von Besorgnis wegen Basisstationen und Prävalenz gesundheitlicher Beeinträchtigung durch Basisstationen.

Die Risikoanalysen der Ergänzungsstudie zeigen keinen Zusammenhang zwischen den gemessenen Feldern von Basisstationen und selbst berichteten Befindlichkeitsstörungen. Die Ergebnisse dieser Studie ebenso wie die Ergebnisse der bisher abgeschlossenen experimentellen Studien zu dieser Thematik des DMF-Programms deuten übereinstimmend daraufhin hin, dass die Felder von Mobilfunkbasisstationen keine akuten gesundheitlichen Beschwerden bei Erwachsenen verursachen.

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