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Epidemiologische Studie zum Zusammenhang zwischen Kinderkrebs und Expositionen um große Sendeeinrichtungen

Thema

Epidemiologische Studie zum Zusammenhang zwischen Kinderkrebs und Expositionen um große Sendeeinrichtungen

Beginn

01.03.2005

Ende

29.02.2008

Projektleitung

Universität Mainz, Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik

Zielsetzung

Bisher liegen nur wenige epidemiologische Studien vor, die einen Zusammenhang zwischen der Exposition mit hochfrequenten Feldern und Krebserkrankungen untersuchen. Vereinzelt wurden Hinweise auf erhöhte Kinderleukämieraten in der Umgebung von starken Fernseh- und Radiosendern gefunden. Bei diesen Studien handelte es sich aber um ökologische Studien, die aufgrund ihres Studiendesigns (Verwendung von regional zusammengefassten Daten anstelle individueller Daten) und anderer methodischer Mängel wenig aussagekräftig waren. Systematische Untersuchungen fehlen bis jetzt. Ziel des Vorhabens war es, das Kinderleukämierisiko in der Umgebung starker Fernseh- und Rundfunksender in einer deutschlandweiten epidemiologischen Studie zu untersuchen. In einer Machbarkeitsstudie sollte geprüft werden, ob ein geeigneter verbesserter Studienansatz entwickelt werden kann. Bei positivem Ergebnis der Pilotstudie sollte anschließend eine Hauptstudie durchgeführt werden.

Ergebnis der Machbarkeitsstudie

Die Machbarkeitsstudie ergab, dass ein geeigneter und im Vergleich zu früheren Studien deutlich verbesserter Studienansatz, entwickelt werden konnte. Als Studiendesign wurde eine Fall-Kontroll-Studie ohne Befragung gewählt. In die Studie wurden 16 Standorte mit amplitudenmodulierten Lang- und Mittelwellensender (AM) und 8 Standorte mit UKW/TV-Sendern (Frequenz- bzw. Impulsmodulation) aufgenommen. Das Studiengebiet wurde definiert als alle Gemeinden, die im verdoppelten 1 V/m - Radius um die jeweiligen Lang- und Mittelwellensender (AM) oder im theoretischen 90 dB (µV/m) - Radius um die jeweiligen UKW/TV-Sendern liegen. Die Leukämiefälle wurden über das Deutsche Kinderkrebsregister ermittelt. Einschlusskriterien waren:

  • Primäre Leukämien (ICD C91-C95)
  • Erstdiagnose zwischen 1984 und 2003
  • Diagnosealter zwischen 0 und 14 Jahren
  • Wohnsitz zum Zeitpunkt der Diagnose im Studiengebiet.

Zu jedem Leukämiefall wurden zufällig 3 Kontrollkinder aus den Daten der Einwohnermeldeämter gezogen. Es erfolgte eine individuelle Expositionsabschätzung. Der Bericht zur Pilotstudie (Anhang 1 des Abschlussberichts) und das zugehörige Operationshandbuch (Anhang 2 des Abschlussberichts), das die geplanten Vorgehensweisen der Hauptstudie beschreibt, liegen zum Download als PDF-Datei vor:

Pilotstudie (Abschlussbericht, Anhang 1) (1.447 KB)

Operationshandbuch (Abschlussbericht, Anhang 2) (290 KB)

Ergebnis der Hauptstudie

In die Studie gingen 1.959 Leukämiefälle und 5.848 Kontrollen ein. Bei den Fällen handelte es sich um Kinder im Alter von 0 bis 14 Jahren, die zwischen 1984 und 2003 an einer primären Leukämie erkrankten und im Umkreis der 16 definierten Lang- und Mittelwellensender und 8 UKW-/TV Sendern Westdeutschlands leben bzw. gelebt haben und im deutschen Krebsregister (DKKR) bis zum 15.09.2005 (Stichtag der Ziehung) gemeldet waren. Die Kontrollen wurden zufällig aus der Bevölkerung gezogen. Es erfolgte ein 1:3 Matching nach Alter, Geschlecht, Senderregion und Meldezeitpunkt, d.h. die Kontrollkinder mussten zum Zeitpunkt der Diagnosestellung des Falles das gleiche Lebensalter haben, der Wohnort des Kontrollkindes zum Diagnosezeitpunkt des Falles musste in einer Gemeinde liegen, die zur Senderregion des Fallkindes gehörte.

Es erfolgte eine individuelle Expositionsabschätzung bezogen auf 1 Jahr vor Diagnose des Falls (Expositionszeitraum 1983-2002). Die Schätzung der Exposition erfolgte über Rechenverfahren zur Feldstärkeprognose, die zur Modellierung der Rundfunkversorgung entwickelt wurden. Im Rahmen einer Validierungsstudie wurde die mit Wellenausbreitungsmodellen berechnete Feldstärke mit unabhängigen Messdaten überprüft. Dabei zeigte sich eine gute Übereinstimmung der berechneten und tatsächlich gemessenen Feldstärke.

Folgende Hauptergebnisse wurden erzielt:

  • Es zeigt sich kein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen dem Risiko an Leukämie im Kindesalter zu erkranken und der Exposition gegenüber elektromagnetischen Feldern von Fernseh- und Radiosendern.
  • Bei getrennter Betrachtung der AM-Sender und UKW/TV-Sender (unterschiedlicher Frequenzbereich bzw. Modulationstyp) ergeben sich keine Hinweise auf ein erhöhtes Leukämierisiko in Abhängigkeit von Sendertyp.

Weitere Ergebnisse sind:

  • Bei getrennter Betrachtung der Expositionszeiträume vor (1983-1991) und nach (1992-2002), der breiten Einführung des Mobilfunks und ergeben sich keine Hinweise auf ein erhöhtes Leukämierisiko in Abhängigkeit von der Exposition.
  • Bei Verwendung des Abstandes der Wohnadresse zum Sender als Expositionssurrogat wird kein Zusammenhang zwischen Nähe zum Sender und dem Risiko an Kinderleukämie zu erkranken, beobachtet.
  • Die berechnete Feldstärke liefert eine bessere Abschätzung der Exposition als der reine Abstand einer Wohnadresse zum Hauptsender.

Die ausführlichen Ergebnisse der Studie sind dem Abschlussbericht zu entnehmen. Dieser steht zum Download als PDF-Datei zur Verfügung:

Abschlussbericht (630 KB)

Anhang 1 (Pilotstudie) (1.447 KB)

Anhang 2 (Operationshandbuch) (290 KB)

Anhang 3 und 4 (Literaturverzeichnis und Sendeanlagen der Studienregion) (37 KB)

Publikationen

  • Brüggemeyer H, Philipp J, Merzenich H, Schmiedel S, Blettner M, Schüz J. Kindliche Leukämien und EMF-Expositionen in der Umgebung hochfrequenter Sendestationen (KiSS) - Fragestellung und Studienbeschreibung. Advances in Radio Science 2007;5:183-188.
  • Merzenich H, Schmiedel S, Bennack S, Brüggemeyer H, Philipp J, Spix C, Blettner M, Schüz J. Leukämie bei Kindern in der Umgebung von Sendestationen des Rundfunks - Anforderungen an das Studiendesign. Umweltmedizin in Forschung und Praxis 2007;12 (4):213-223.
  • Philipp J, Merzenich H, Brüggemeyer H, Schmiedel S, Blettner M, Schüz J. Retrospektive Bestimmung der elektromagnetischen Exposition durch analoge Rundfunksender im Rahmen von KiSS. Advances in Radio Science 2007;5:1-10.
  • Schüz J, Philipp J, Merzenich H, Schmiedel S, Brüggemeyer H. Re: Radio-frequency radiation exposure from AM radio transmitters and childhood leukemia and brain cancer. American J Epidemiol (2008);167(7):883-4.
  • Merzenich H, Schmiedel S, Bennack S, Brüggemeyer H, Philipp J, Blettner M, Schüz J. Childhood Leukemia in Relation to Radio Frequency Electromagnetic Fields in the Vicinity of Television and Radio Broadcast Transmitters. American J Epidemiol (2008); 15;168(10):1169-78.
  • Schmiedel S, Brüggemeyer H, Philipp J, Wendler J, Merzenich H, Schüz J. An evaluation of exposure metrics in an epidemiologic study on radio and television broadcast transmitters and the risk of childhood leukemia. Bioelectromagnetics 2009; DOI: 10.1002/bem.20460.

Fazit

Die Studie ergibt keine Hinweise für ein erhöhtes Kinderleukämierisiko durch die Felder von Fernseh- und Radiosender. Das aussagekräftige Studiendesign der vorliegenden Studie, vor allem die individuelle Expositionsabschätzung für fast 8.000 Kinder, der 20-jährige Beobachtungszeitraum und der Fokus auf 24 der leistungsstärksten Sendeanlagen in Deutschland, schwächt vereinzelte auffällige Befunde früherer weniger belastbarer Studien deutlich ab. Das Fehlen eines bekannten biologischen Wirkmechanismus spricht zusätzlich gegen einen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang zwischen hochfrequenter elektromagnetischer Strahlung und Kinderleukämie.

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