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Laiengerechte Kommunikation wissenschaftlicher Unsicherheiten im Bereich EMF

Thema
Laiengerechte Kommunikation wissenschaftlicher Unsicherheiten im Bereich EMF

Beginn
01.11.2008

Ende
31.01.2010

Projektleitung
IKU GmbH und Prof. P.M. Wiedemann

Zielsetzung
Ziel dieses Forschungsvorhabens war es, grundsätzliche Voraussetzungen zu identifizieren und Strategien laiengerechter Kommunikation wissenschaftlicher Unsicherheiten im Bereich der nieder- und hochfrequenten (elektrischen, magnetischen und elektromagnetischen) Felder zu erarbeiten. Dabei sollten Vor- und Nachteile sowie erwartbare Konsequenzen verschiedener möglicher (u. a. bereits praktizierter) Strategien von Risikokommunikation analysiert und Kommunikationsempfehlungen gegeben werden. Die zentrale Frage dabei war und ist, wie der aktuelle wissenschaftliche Kenntnisstand einschließlich der verbleibenden Unsicherheiten kommuniziert werden kann, ohne die Besorgnis zu vergrößern oder einen Vertrauensverlust in die Wissenschaft bzw. den Absender der Information hervorzurufen.

Folgende detaillierte Einzelzielsetzungen galt es zu erarbeiten:
  • Es sollte ein Konzept für die Kommunikation von Unsicherheit erstellt werden, das auf einer Unsicherheitstypologie und einer differenzierten Beschreibung von Unsicherheitsformaten basierte.
  • Die Informationsbedürfnisse und die dazu passenden Informationsstrategien zur Darstellung wissenschaftlicher Unsicherheiten gegenüber der Öffentlichkeit wurden ermittelt.
  • Die Wirkung verschiedener Textbausteine bei der Kommunikation. wissenschaftlicher Unsicherheiten wurde mit Hilfe von psychologischen Experimenten überprüft.
  • Eine Kommunikationsstrategie zur Darstellung wissenschaftlicher Unsicherheiten sollte entwickelt werden.

Ergebnisse
Die Wirkung der Kommunikation von Unsicherheiten bezüglich der Risikoabschätzung von elektromagnetischen Feldern ist bislang wenig bekannt; außerdem ist die vorhandene Evidenz widersprüchlich. Erfahrungswissen von Experten stimmen mit den Ergebnissen evidenzbasierter Forschung zur Risikokommunikation nicht überein. Die befragten Experten befürworten mehrheitlich, Unsicherheiten zu kommunizieren, die evidenzbasierte Forschung lehnt dies ab. Die Experten gehen davon aus, dass dadurch die Glaubwürdigkeit des Senders und das Vertrauen in seine Aussagen gestärkt werden, die für die Akzeptanz von Informationen wesentlich sind.

Experimentelle Ergebnisse verweisen darauf, dass es bei der Information und Kommunikation über Unsicherheiten darauf ankommt, welche Art von Unsicherheit thematisiert wird. Diesbezügliche Effekte unterscheiden sich je nachdem, ob es um die Existenz eines Risikos, dessen Größe oder Maßnahmen zum Schutz vor gesundheitlichen Beeinträchtigungen (die Autoren verwenden hier den Begriff „Risikoschutz“) geht.

Die zentralen Ergebnisse dieses Forschungsvorhabens sind:

Wirkung von Informationen über Unsicherheit

Informationen über Unsicherheiten bezüglich der Existenz von Risiken werden als Kompetenzmangel der Risikoabschätzer fehlattributiert.

Informationen über Unsicherheiten bezüglich der Höhe von Risiken haben keine Effekte.

Informationen bezüglich der Unsicherheit über die Maßnahmen zum Schutz vor gesundheitlichen Beeinträchtigungen reduzieren die Textverständlichkeit und steigern tendenziell Ängste.

Wirkung von Erklärungen

Erklärungen der Unsicherheit bezüglich der Existenz eines Risikos reduzieren die wahrgenommene Eindeutigkeit der Information. Erklärungen in diesem Zusammenhang bezüglich der Maßnahmen zum Schutz vor gesundheitlichen Beeinträchtigungen verringern die Textverständlichkeit.

Interaktion von Erklärungen und Informationen über Unsicherheit

Werden Unsicherheiten bezüglich der Existenz von Risiken erklärt, so hat das einen Angst reduzierenden Effekt.

Diese uneinheitlichen Befunde lassen sich mit Hilfe einer psychologischen Theorie (Elaboration Likelihood Theorie von Petty und Cacioppo) erklären. Dabei ist der „informierte Bürger“, der motiviert und fähig ist, Informationen über Unsicherheiten eines Risikos zu verstehen und zu verarbeiten, das Idealbild. Durch seine Fähigkeit der Informationsverarbeitung wählt er den so genannten „zentralen Weg“ der Informationsverarbeitung und kann so zu einer dauerhaften Änderung der Meinung kommen.

Die experimentellen Ergebnisse weisen jedoch darauf hin, dass bei der Informationsverarbeitung mangels Motivation und/oder Fähigkeit häufiger der „periphere Weg“ der Informationsverarbeitung beschritten wird. Hier wird mehr auf Hinweise, Reize und ähnliches geachtet als auf die Information an sich. Ein neuer Hinweis oder Reiz kann zu einer neuen Meinung führen.

Für den „zentralen Weg“ der Informationsverarbeitung gilt, dass bei der Kommunikation von Unsicherheit auch Informationen gegeben werden sollten, wie groß die Unsicherheiten sind, warum Unsicherheiten existieren und wieso Informationen über Unsicherheiten wesentlich sind. Darüber hinaus sind Unsicherheiten in Bezug zu den Sicherheiten zu setzen, um so eine informierte Beurteilung zu ermöglichen. Die Existenz von Grenzwerten soll wissenschaftlich begründet vermittelt werden. Die Maßnahmen zum Schutz vor gesundheitlichen Beeinträchtigungen (z.B. Grenzwertsetzung) und die damit verbundenen Vorsorgemaßnahmen sollen dargelegt werden.

Für den „peripheren Pfad“ der Informationsverarbeitung gilt: Was kompliziert erscheint, wird eher als riskant und eher als falsch eingeschätzt; was einfach erscheint, wird als weniger riskant und eher als wahr angesehen. Kommunikation über Unsicherheiten ist hier riskant. Wenn sie erfolgt, so ist sie mit Informationen zu koppeln, die die Wahrnehmung von Kompetenz der Risikobewerter stärken und das Gefühl von Sicherheit und Verlässlichkeit bezüglich der Vorsorgestrategien vermitteln.

Die detaillierten Ergebnisse sind in einem Abschlussbericht zusammen gefasst, der zum Download als PDF-Datei (1.954 KB) vorliegt.

Bei Interesse können die Zwischenberichte des Forschungsvorhabens beim BfS angefragt werden:

Zwischenbericht 1:
  • Psychologische Grundlagen zur Kommunikation im Bereich EMF,
  • Typologie von Unsicherheiten bei der Risikoabschätzung,
  • Analyse von Unsicherheitsbeschreibungen aus anderen Forschungsprojekten bzgl. EMF,
  • Literaturstudie zum Thema.

Zwischenbericht 2:

  • Ergebnis der Überprüfung der Verständlichkeit von Texten bezüglich der Kommunikation von Risiken und Unsicherheiten durch 5 Focusgruppen.
  • Ermittlung der Informationsbedürfnisse der Bevölkerung, von Multiplikatoren und Stakeholdern.

Zwischenbericht 3:

  • Analyse der Kommunikationsstrategien von Unsicherheiten im Bereich EMF

Zwischenbericht 4:

  • Ergebnis des Expertenhearings zu Kommunikation wissenschaftlicher Unsicherheiten verschiedener Themenfelder.
  • Überprüfung der Übertragbarkeit von Kommunikationsstrategien auf andere Themenfelder.

Zwischenbericht 5:

  • Ergebnis Studentenbefragung zu Wirkung von Texten mit und ohne Unsicherheit

Fazit
Die Kommunikation über Unsicherheiten sollte nach den Grundsätzen rationaler Kommunikation erfolgen, das heißt in einem vernünftigen Diskurs, der die Prinzipien der Fairness, Offenheit und Kompetenz umsetzt. Dabei sind die folgenden Bedingungen zentral:

  1. Eine Kommunikation über Unsicherheiten hat die beiden verschiedenen Pfade der Informationsverarbeitung – zentral und peripher – zu berücksichtigen, denn je nach Pfad können die gleichen Merkmale der Unsicherheitskommunikation unterschiedliche Wirkungen entfalten.
  2. Insgesamt kommt es bei der Risikokommunikation darauf an, die Adressaten, die nur über den peripheren Pfad der Informationsverarbeitung zu erreichen sind, stärker zu berücksichtigen, da sie häufiger in der Öffentlichkeit anzutreffen sind.
  3. Weiterhin ist darauf zu achten, welche Unsicherheiten kommuniziert werden sollen: die bezüglich der Existenz des Risikos, der Höhe des Risikos oder der Angemessenheit der Maßnahmen zum Schutz vor gesundheitlichen Beeinträchtigungen.

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