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Kurzprotokoll des internationalen Fachgesprächs zu Forschungsprojekten des DMF zur Thematik "Akute gesundheitliche Effekte"
 
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Kurzprotokoll des internationalen Fachgesprächs zu Forschungsprojekten des DMF zur Thematik "Akute gesundheitliche Effekte"

Am 12. und 13. Dezember 2006 fand das Fachgespräch zum Themenbereich "Akute gesundheitliche Effekte" im Rahmen des Deutschen Mobilfunk Forschungsprogramms (DMF) statt.

Schwerpunkt dieses dritten in einer Reihe von insgesamt fünf internationalen Fachgesprächen war die Frage, ob die hochfrequenten Felder des Mobilfunks akute gesundheitliche Auswirkungen haben können. Die während des Fachgesprächs vorgestellten und diskutierten Projekte bearbeiteten die Thematik mit unterschiedlichen Methoden: zum Einen wurde in epidemiologischen Studien mögliche Zusammenhänge zwischen einer Exposition mit hochfrequenten Feldern des Mobilfunks und akuten gesundheitlichen Beeinträchtigungen untersucht, zum Anderen wurden in experimentellen Studien gezielt Probanden untersucht, die mit unterschiedlichen Feldern exponiert wurden. Das Spektrum der untersuchten Symptome umfasst alle wesentlichen Beschwerden, die von betroffenen Personen im Zusammenhang mit dem Mobilfunk berichtet werden. Intensiv beleuchtet wurden Auswirkungen auf den Schlaf, da solche Beschwerden sehr häufig beschrieben werden. Ein besonderes Augenmerk wurde auf Kinder und elektrosensible Personen gelegt. Kinder sind aufgrund ihrer noch andauernden körperlichen Entwicklung möglicherweise besonders empfindlich gegenüber hochfrequenten elektromagnetischen Feldern und elektrosensible Personen könnten aufgrund einer besonderen körperlichen Verfassung ungewöhnlich empfindlich auf diese Felder reagieren. In einem einleitenden Vortrag wurden die im Alltag vorkommenden elektromagnetischen Felder beschrieben und näher erläutert.

Die Gesamtbewertung aller Forschungsprojekte wird Mitte 2008 unter internationaler Beteiligung stattfinden.

Das Faltblatt des Fachgesprächs mit dem Programm steht als PDF-Datei zum Download zur Verfügung.

Ein ausführlicher Bericht wurde von der Rapporteurin des Workshops, Frau Dr. Moser vom Schweizerischen Bundesamt für Gesundheit (BAG) erstellt, der hierfür unser besonderer Dank gilt. Der Bericht liegt zum Download als PDF-Datei vor.

Die im Folgenden aufgeführten Vorträge stehen ebenfalls zum Download als PDF-Datei bereit.

Session A
Epidemiological studies
Introductory lecture on possible exposures in everyday life and on personal dosimeters (4,2 MB) Ch. Bornkessel
IMST
Cross-sectional study on subjective symptoms due to electromagnetic fields from mobile-phone base stations among adults (1,4 MB) G. Berg
Bielefeld University
Cross-sectional study on acute health effects by mobile telecommunication among children (2,6 MB) K. Radon
Munich University
Session B
Experimental studies
Studies of the effects of exposure to electromagnetic fields emitted from mobile phones on volunteers (3,5 MB) H. Danker-Hopfe,
H. Dorn
Charité Berlin
Investigation of sleep quality in persons living near a mobile base station - Experimental study on the evaluation of possible psychological and physiological effects under residential conditions.
Teil 1: Sleep basics (2,8 MB)
Teil 2: Field Study (3,7 MB)
H. Danker-Hopfe,
H. Dorn
Charité Berlin
Session C
Electrohypersensitivity
Investigation of sleep quality of electrohypersensitive persons living near base stations under residential conditions (1,7 MB) N. Leitgeb
Technical University of Graz
Investigation of the phenomenon of 'electromagnetic hypersensitivity' using an epidemiological study on 'electrosensitive' patients including the determination of clinical parameters (2,0 MB) U. Frick,
P. Eichhammer,
M. Landgrebe
Regensburg University
Investigation of electrosensitive persons with regard to accompanying factors or diseases, such as allergies and increased exposure or sensitivity to heavy metals and chemicals (0,3 MB) N. Dahmen
Mainz University

Für die Diskussionen zu den einzelnen Teilveranstaltungen wurden folgende Fragestellungen zugrunde gelegt:

  1. Wie war die Situation vor dem Beginn des DMF?
  2. Was wurde durch die Projekte erreicht?
  3. Wo bestehen nach wie vor Kenntnislücken?
  4. Können Minimalstandards für die weitere Arbeit definiert werden?
  5. Wurden Ergebnisse erzielt, die Auswirkungen auf Richtlinien oder auf die Normgebung haben?

Nach Abstimmung mit den Teilnehmern des Fachgesprächs können folgende Ergebnisse der Diskussionen festgehalten werden:

1. Wie war die Situation vor dem Beginn des DMF?

  • Hinweise auf akute gesundheitliche Effekte der hochfrequenten Felder des Mobilfunks beruhten bisher in der Regel auf Berichten betroffener Personen oder auf den Beobachtungen von Ärzten.
  • Es gab nur sehr wenige epidemiologische Studien mit widersprüchlichen Ergebnissen. Die meisten dieser Studien wiesen methodische Probleme auf wie z.B. Fehlklassifikation der Exposition, Selektionsbias, Confounding usw. Es gab auch keine Personendosimeter, die in großen Feldstudien einsetzbar waren.
  • Im Zusammenhang mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen wurden in den letzten Jahren in den meisten Fällen Basisstationen als Quelle der EMF-Exposition angegeben, die häufigsten Beschwerden waren Schlafstörungen und Kopfschmerzen.
  • Abgesehen von einer leicht schlaffördernden Wirkung zeigten die meisten Laboruntersuchungen keine Effekte elektromagnetischer Felder auf den Schlaf.
  • Die Ergebnisse der Verhaltenstests waren widersprüchlich und zeigten positive, negative, oder gar keine Einflüsse elektromagnetischer Felder auf Reaktionszeiten und kognitive Leistungen.
  • Ungefähr 2 % der Bevölkerung gaben an, elektrosensibel zu sein. Elektrosensible Personen leiden unter einer Vielzahl subjektiver Symptome (eine Liste von 36 Beschwerden wurde in einem früheren Forschungsvorhaben erarbeitet), die sie auf die Exposition mit hochfrequenten Feldern sehr geringer Intensität zurückführen.
  • Die meisten der doppelt-blinden Provokationsstudien zeigten keinen Kausalzusammenhang zwischen den Symptomen und einer Exposition mit EMF. Außerdem gibt es keine verlässlichen Hinweise darauf, dass elektrosensible Personen zwischen dem aktiven und dem inaktiven Zustand eines schwachen hochfrequenten Feldes (z.B. dem Sende- bzw. Ruhezustand eines Mobiltelefons) unterscheiden können, wenn die Untersuchung doppelt-blind durchgeführt wird.
  • Ein Teil der Bevölkerung ist elektrosensitiv, d.h. diese Personen weisen eine niedrigere Wahrnehmungsschwelle z.B. für elektrischen Strom auf. Die Elektrosensitivität tritt aber normalerweise nicht zusammen mit Elektrosensibilität auf.

2. Was wurde durch die Projekte erreicht?

  • Die epidemiologischen Studien im Rahmen des DMF werden eine verbesserte Einschätzung des Zusammenhangs zwischen subjektiven Symptomen und den Feldern der Basisstationen liefern. Dies beruht auf Verbesserungen hinsichtlich:
    • der Berücksichtigung potenzieller Störgrößen (Confounder);
    • der Expositionsbestimmung (Personendosimeter);
    • der statistischen Power.
  • Die Querschnittsstudie an Erwachsenen (30.000 Personen) lieferte deutschlandweit repräsentative Daten hinsichtlich der Fragen, wie viele Privathaushalte sich näher als 500 m Entfernung von einer Basisstation befinden (53 %), wie hoch in der Bevölkerung der Prozentsatz an Personen ist, die wegen der Basisstationen besorgt sind (28 %) und wie viele Personen gesundheitliche Beeinträchtigungen auf Basisstationen zurückführen (10 %).
  • Unter Laborbedingungen wurden bei jungen, gesunden, männlichen Probanden keine Effekte einer Exposition mit GSM oder UMTS Handy-Signalen auf visuell ausgewertete Schlafparameter gefunden.
  • Die Abschirmung der elektromagnetischen Felder erbrachte keine Verbesserung der Schlafqualität bei elektrosensiblen Personen, die zuhause unter verblindeten Bedingungen untersucht wurden.
  • Bei der transkranialen Magnetstimulation war bei den elektrosensiblen Probanden eine verringerte Fähigkeit festzustellen, zwischen echten und Scheinimpulsen zu unterscheiden. Ihre objektiven Wahrnehmungsschwellen für echte Impulse waren dagegen mit denen der Kontrollpersonen vergleichbar.
  • Im Vergleich mit den Kontrollpersonen zeigten die elektrosensiblen Personen eine veränderte kortikale Erregbarkeit.
  • Die Elektrosensiblen sind eine sehr heterogene Gruppe; mit einem einfachen Modell ist die Elektrosensibilität nicht zu beschreiben.

3. Wo bestehen nach wie vor Kenntnislücken?

  • Die Langzeitnutzung der mobilen Telephonie wird durch das Forschungsprogramm nicht vollständig erfasst.
  • Das Forschungsprogramm deckte Laboruntersuchungen hinsichtlich der Schlafparameter bei Frauen, älteren Personen und Kindern nicht vollständig ab. Ergebnisse zu kognitiven Leistungen und Verhalten sind in Kürze zu erwarten.
  • Der zeitliche Verlauf der Elektrosensibilität über einen längeren Zeitraum hinweg sollte untersucht werden. Die Voraussetzungen für effektive Therapiemaßnahmen müssen erarbeitet werden.
  • Diese Fragestellungen sind aber nicht unbedingt der Strahlenschutzforschung zuzuordnen.

4. Können Minimalstandards für die weitere Arbeit definiert werden?

  • Falls epidemiologische Studien zu gesundheitlichen Wirkungen der Felder von Basisstationen durchgeführt werden, sollten sie individuelle Expositionsbestimmungen mit Hilfe von Personendosimetern einschließen. Wenn möglich sollten auch andere Quellen einer Exposition mit hochfrequenten elektromagnetischen Feldern gemessen werden, um die Effekte einer Exposition durch die Felder von Basisstationen von denen durch andere Quellen, wie z.B. Mobiltelefonen, unterscheiden zu können.
  • Zukünftige Studien müssen doppelt-blind, cross-over und mit Placebokontrolle durchgeführt werden. Intraindividuelle Kontrollen, eine kontrollierte Dosimetrie und eine ausreichende Zahl von Probanden sind erforderlich.
  • Elektrosensibilität ist für die Betroffenen ein ernstes gesundheitliches Problem, aber wahrscheinlich nicht ausschließlich ein Strahlenschutzproblem. Falls weitere Studien durchgeführt werden, sollten aber standardisierte Kriterien für die Beschreibung der elektrosensiblen Personen erarbeitet und angewandt werden. In Anbetracht der Heterogenität der Gruppe der Elektrosensiblen sollten die Betroffenen unter multidimensionalen Gesichtspunkten beschrieben werden und es sollten Untergruppen definiert werden.
  • Eine bessere Risikokommunikation mit den Betroffenen ist erforderlich, vor allem im Hinblick auf den Kausalzusammenhang zwischen ihren Beschwerden und der Exposition mit elektromagnetischen Feldern.

5. Wurden Ergebnisse erzielt, die Auswirkungen auf Richtlinien oder auf die Normgebung haben?

  • Bisher nicht. Die Ergebnisse der laufenden Studien müssen aber abgewartet werden.

Der englische Originaltext "Conclusions from the DMF Workshop on Acute Health Effects" liegt hier zum Download als PDF-Datei vor.

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